Das bisher grösste Abenteuer
2017 im Tessin
Mein grösstes Abenteuer oder “How I met your father”…
Okay, um gleich etwas vorneweg zu nehmen, ich bin nicht schwanger. Aber ich möchte gerne erzählen, wie Josh und ich uns kennengelernt haben, da es eine ziemlich einzigartige Geschichte ist. Mein Plan ist, dass Josh seine Version der Geschichte ebenfalls schreibt. Er ist ein super Geschichtenerzähler! Aber hier ist mein Teil unserer Geschichte:
Im Jahr 2014 war ich endlich fertig mit der Kanti (Gymnasium) und ich wusste, dass ich Lehrerin werden wollte, was drei weitere Jahre Schule bedeutete. Dazu war ich noch nicht bereit und nach 14 Jahren Schule brauchte ich dringend eine Pause. Ich wollte unbedingt ein Zwischenjahr machen und mehr der Welt kennenlernen. Plötzlich standen mir tausend Möglichkeiten bereit: Arbeiten auf einem Bauernhof? In einem Hotel? Sprachschule? Jugend mit einer Mission (YWAM)? Eines Tages besuchten wir mein Gotti (Patin) und Familie, welche soeben aus den Ferien in den USA zurückgekehrt waren. Voller Begeisterung erzählten sie von ihrer Zeit und einem Praktikantenprogramm einer Kirche, die sie besucht hatten. Dies weckte meine Aufmerksamkeit, es hörte sich genau nach dem an, was ich gesucht hatte: Die Welt entdecken, meinen Glauben stärken und mein Englisch verbessern. Einige wenige Skypeanrufe später und es war organisiert!
Als das Abreisedatum näher kam, begann ich meine Entscheidung zu bereuen. Ich weinte mehrere Male pro Woche (vielleicht sogar pro Tag?) Was hatte ich mir nur dabei gedacht so weit weg von meiner Familie zu gehen? An einen Ort, an dem ich niemanden kannte? Würde es mir dort gut gehen? An diesem Punkt einen kurzen Gedenkmoment an meine Mutter, die das alles aushalten musste.
Auch das Packen gestaltete sich als schwierig. Ich wusste, dass wir viele praktische Arbeiten wie gärtnern, putzen und kochen verrichten würden. Was bringt man schon auf einen 6-monatigen Aufenthalt? Alles, was ich wusste, war, dass es eine «no dating»-Regel gab und ich somit meine Absatzschuhe, schönen Kleider und Parfüm zu Hause lassen konnte. Ich würde ja niemanden beeindrucken müssen… (ja, da wusste ich noch gar nichts…)
Die Praktikanten in der Kirche 2014
Vielen Tränen später flog ich nach San Francisco, Kalifornien. Am Flughafen wurde ich von einer Amerikanerin und einer anderen Schweizer Praktikantin abgeholt. Diese erklärte mir auf der Autofahrt gleich alles von den Haifischen und schwarzen Witwen bis hin zu Gifteiche (ein Busch, der Öle auf dem Körper verteilt, welche juckende Ausschläge hervorrufen.) Wenigstens wusste ich nun wie ich dem Tod in diesem Land aus dem Weg gehen konnte!
Ich war erleichtert, als ich erfuhr, dass ich mein Zimmer mit drei anderen Schweizerinnen teilen würde. (So viel zum Thema «Englisch verbessern») Neben den Frauen lebten auf dem Kirchenareal noch vier Männer, alle aus den USA und Kanada, und einige Familien. Ich lernte alle in den ersten Tagen kennen, bis auf einen Praktikanten, der gerade ein Jugendlager leitete. Joelle, eine der Schweizerinnen, erklärte mir, dass dieser Praktikant Joshua hiess und ich ihn sicher toll finden würde. Er sei bei allen sehr beliebt. Sie wusste nicht, wie recht sie mit dieser Aussage haben würde…
Einige Tage später traf ich Josh im Gang. Ihr fragt euch nun wohl: «War es Liebe auf den ersten Blick? Warst du wie vom Blitz getroffen? Schlotternde Knie?» Ich muss euch enttäuschen. Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Josh war ein cooler Typ, aber das war es dann auch schon. Erst viele kleine Momente über die Zeit hinweg und so langsam schlichen sich Gefühle in mein Herz…
Meinen ersten Moment mit Josh, an den ich mich so richtig erinnere, war kurz nach unserem ersten Treffen. Josh war der IT-Chef und er musste mir einen Account auf dem Computer einrichten. Er erzählte und erklärte und ich nickte brav – keine Ahnung was er erzählt hatte. Er sprach schnell und etwas undeutlich vielleicht? Auf jeden Fall verstand ich gar nichts.
Etwa eine Woche später gingen alle Praktikanten zusammen in die nahegelegene Gelateria. Auf dem Heimweg sagte Josh, ich hätte wunderschöne Augen. Verlegen nahm ich das Kompliment an und war froh, dass es bereits dunkel war und niemand sah, wie ich errötete.
Kochen in der Küche war immer ein lustiges Abenteuer. Jeder kochte sein eigenes Mittagessen und wir waren alle beschäftigt mit unserem Gericht. Ausser Josh, er machte es sich zum Sport mir immer wieder in den Weg zu stehen…
Eines Abends mussten wir im Comupterraum Notizen zu der Bibelstunde schreiben. Danach surfte ich ein wenig auf Google Maps herum. Joshua nahm einen Stuhl uns setzte sich neben mich. Gemeinsam zeigten wir uns wohin wir schon gereist waren und erzählten von unseren Erlebnissen und Träumen. Die Stunden vergingen und am Ende dachte ich, dass Josh ein ziemlich toller Typ war. Okay, vielleicht etwas mehr als nur toll… Wo waren jetzt die schönen Kleider und Parfüm, wenn man sie brauchte?
Eine andere klare Erinnerung war, als ich für die Kinderkrippe der Kirche arbeitete. In dem Raum gab es ein Fenster ohne Glas, welches in den Gang hinaus ging. Joshua lief daran vorbei und etwa 4 der Kinder schrien seinen Namen, rannten zu diesem Fenster und fielen fast hinaus, sosehr freuten sie sich Josh zu sehen. Ich muss sagen, das war dann schon sehr beeindruckend für mein schon etwas verliebtes Herz. Langsam hoffte ich, dass ich mit Josh in der Putzgruppe sein würde oder ich neben ihm beim Danken fürs Essen stehen könnte, damit ich seine Hand halten könnte. In meiner freien Zeit blieb ich länger in der Küche, weil Josh dort war oder sass einige extra Minuten/Stunden im Fernsehraum, wenn Joshua dort war.
An unseren Putztagen bewies ich mich als schnelle, effiziente Arbeiterin. Josh war nicht so bekannt als das… Einem unserer Leiter schien es eine super Idee zu sein, uns zusammen in eine Gruppe zu stecken, damit ich Josh das schnelle Arbeiten beibringen könnte. Wir mussten die Treppen schrubben (fairerweise muss ich sagen, dass ich dies noch nie zuvor gemacht hatte) und Josh und ich hatten mega Spass dabei. Vielleicht verbrachten wir eeeetwas viel Zeit mit schwatzen und es dauerte viiiiel länger als normal bis die Treppen endlich sauber waren. Dies wiederum zeigte unseren Leitern, dass da vielleicht etwas im Busch sein könnte…
Das Problem war, dass es da immer noch diese blöde «no dating»-Regel gab und erst etwa einen Monat meiner Zeit in den USA vergangen war. Wir mussten beide mit unseren Mentoren über unsere Gefühle sprechen und sie erklärten uns, dass jetzt einfach keine geeignete Zeit für eine Beziehung war. Es war ziemlich kompliziert unser Leben so zu gestalten, dass wir normale Freunde sein konnten. Die Regel hatte ja nichts an unseren Gefühlen füreinander geändert. Das Gute an der Sache war jedoch, dass ich mir so richtig gut überlegen konnte, ob ich wirklich für eine Fernbeziehung bereit war. Würde es wirklich funktionieren? Was würde das bedeuten?
Unser erstes Date im Januar 2015
Die Zeit verging und der letzte Monat in den USA brach an. Unsere Gefühle füreinander waren immer noch die gleichen. Joshua bat unsere Leiter um Erlaubnis mit mir in den letzten zwei Wochen auf ein Date gehen zu dürfen. Er fragte mich und früh an einem Montagmorgen holten wir Kaffee und liefen an den Strand, um den Sonnenaufgang zu sehen. Wenn ich mir jetzt das genauer überlege, fällt mir auf, dass man in Santa Cruz den Sonnenaufgang nicht sieht? In dem Fall ist mir nicht klar, was wir da am Strand gesehen haben. Ich habe ebenfalls eine verschwommene Erinnerung an Delfine, die aus dem Wasser springen, aber da bin ich mir ebenfalls nicht mehr sicher, ob das wirklich stattfand. Anyways, stellt euch uns einfach vor, wie wir auf einem Stück Schwemmholz den Sonnenaufgang und Delfine geniessen und uns zum ersten Mal küssen. Es war magisch! Nach einer Weile gingen wir in einem nahegelegenen Wald spazieren und wir redeten, redeten und redeten. Es tat so gut über all die komischen, unausgesprochenen Momente der letzten fünf Monate sprechen zu können. Der Tag ging viel zu schnell vorbei!
Erster Besuch in der Schweiz 2015
Fernbeziehung
So sahen einige unserer Dates aus
Einige Tage später stand schon meine Abreise bevor und ich verliess Kalifornien mit genauso vielen Tränen, wie ich schon sechs Monate zuvor in der Schweiz vergossen hatte. Zu Hause zog ich gleich ins Tessin, da ich dort einen Job in einem Hotel hatte. Josh und ich skypten so viel wie möglich und am 2. Februar 2015 machten wir es offiziell: Wir waren ein Paar!
In den nächsten Monaten skypten wir stundenlang und Josh versuchte ein 6-Monate-Visum für die Schweiz zu erhalten. Leider wurde dieses abgelehnt und er konnte nur für drei Monate kommen. Ich begann die Lehrerausbildung im Herbst 2015 und Josh zog nach Basel. Dies war super, aber er war immer noch drei Stunden von mir entfernt. Dies ist wahrscheinlich die Art Fernbeziehung, die die meisten kennen. Wir sahen einander immer am Wochenende.
2016
2016
Nach drei Monaten ging Josh wieder nach Hause und wir besuchten einander während meinen Semesterferien. Dies bedeutete, dass wir uns alle sechs Monate sahen. Die Abschiede waren sehr hart für mich. Schon einige Tage im Voraus war ich traurig und gestresst, weil ich wusste, dass ich Josh nun wieder sechs Monate lang nicht sehen würde. Jedes Mal unterhielten wir uns über unsere Zukunftspläne, aber es schien noch so weit weg. Ich musste zuerst die Schule fertig machen. Im Dezember 2017 kam Josh auf Besuch und ich hatte noch 5 Monate bis zum Ende meines Studiums.
Der Heiratsantrag
Unsere Verlobungsanzeige
Ich wusste, dass Josh mir während diesen Ferien wahrscheinlich einen Antrag machen würde, da wir zuvor schon über unsere Hochzeit gesprochen hatten. (Ist es nicht lustig, wie man als Kind denkt, dass diese Anträge einfach aus dem Nichts auftauchen?) Josh und ich gingen an einen Weihnachtsmarkt in Konstanz und er wollte mich dort fragen. Der Markt war aber so überfüllt, dass er es sich anders überlegte. Wir gingen in ein Restaurant beim Werdenbergersee (5min von meinem Zuhause entfernt) und assen ein feines Abendessen. Danach liefen wir um den See. Wir hielten an und Josh sagte mir, dass ich mich umdrehen müsse. Als ich ihn wieder anschauen durfte, fiel etwas zu Boden. Wir suchten nach den Teilen. Ich dachte es sei ein echter Unfall, aber es lief alles nach Plan. Josh hatte zuvor ein Dorodango (eine japanische Kunst, bei der man aus Erde und Wasser eine glänzende, glatte Kugel formt) gemacht. Er liess sie zu Boden fallen, da in der Kugel eine Notiz versteckt war. Josh bat mich sie zu lesen. Es stand: «Hey, ich habe eine Frage für dich.» Als ich wieder aufschaute, war kniete Josh vor mir und bat mich seine Frau zu werden. Überglücklich sagte ich ja!! Einen wunderschönen Ring hatte er auch noch! Wir freuten uns so sehr. Dies würde unser letzter Abschied werden, bevor Josh dann in die Schweiz ziehen würde!
Ich beendete die Schule im Mai 2018 und Josh kam anfangs Juni in die Schweiz um bei den Hochzeitsvorbereitungen zu helfen. Die Trauung war in einem Gewächshaus geplant und dies beinhaltete viel Dekoarbeit! Einige Tage vor dem Fest kamen alle Freunde und Familie aus den USA in die Schweiz. Es war ein sonniger und sehr heisser Sommertag, als wir heirateten. Das Gewächshaus war schön, aber es bedeutete auch, dass es drinnen schnell aufheizte. (Was Gewächshäuser so an sich haben) Bis heute erinnern sich alle Gäste daran, wie heiss es an dem Tag war. Als ich zum Trauversprechen aufstand, lief mir der Schweiss die Beine herunter… (romantisch, oder?) Abgesehen von der Hitze war es ein wunderschöner, unvergesslicher Tag. Ich lachte den ganzen Tag lang, weil ich so glücklich war! Wir hatten so viel Spass und spielten lustige Spiele. Josh musste sogar eine Holzkuh melken und einen Apfel von meinem Kopf schiessen!
Unsere Hochzeit am 30. Juni 2018
Das beste Foto
Unser erster Tag in unserer Wohnung
Am Tag nach unserer Hochzeit zogen wir in unsere Wohnung in Zürich und eine Woche später ging es in die Flitterwochen nach Porto, Portugal. Wir waren sehr froh einige Zeit zum Entspannen haben. Die Wochen vor der Hochzeit waren so voll gewesen.
Was geschah in der Zwischenzeit? Wir sind immer noch in der gleichen Wohnung, ich arbeite nun schon seit fast 6 Jahren als Lehrerin und Josh unterrichtet Brazilian Jiu-Jitsu. Endlich konnten wir zusammen reisen und wir sahen unter anderem die Schweiz, Italien, Deutschland, Amsterdam, New York, Hawaii und den Südewesten der USA zusammen. Wir lieben unsere gemeinsame Zeit und ich bin sicher, dass die vielen Stunden mit Reden auf Skype unsere Kommunikationsfähigkeiten sehr verbessert haben. Ich bin stolz auf unsere Geschichte und die Tatsache, dass wir 3.5 Jahr Fernbeziehung überlebt haben! Ich lebe mein Leben so gerne mit dir, Joshua. Ich liebe dich!
Mallorca 2024